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Bewusstsein

  • Martina Fux
  • 3. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit


Bewusstsein, ein wichtiges Wort, das sehr oft missverstanden und nicht verstanden wird. Was ist also Bewusstsein? Man könnte dazu folgendes sagen. Du bist nicht deine Gedanken, du bist nicht deine Gefühle sondern du bist das Bewusstsein, indem Gedanken und Gefühle auftreten und wieder vergehen und das ist unsere wahre Essenz.

Jeder von uns ist Bewusstsein und dieses Bewusstsein bewohnt einen Körper und diesen Körper kann man bewegen, man kann ihn messen und wiegen, er ist zum Beispiel 70 kg schwer und 180 cm groß. Man kann ihn irgendwohin bewegen. Den Körper kennen wir also gut aber das Bewusstsein kennen wir nicht so gut, weil es eben unsichtbar und formlos ist und das macht die Sache schwierig. Wenn kleine Kinder zu zeichnen beginnen, zeichnen sie Strichmännchen, also sie zeichnen einen Körper und nicht Bewusstsein, denn man kann Bewusstsein nicht zeichnen, nicht fotografieren, es ist unsichtbar, es ist formlos. Aber um ein Verständnis über dieses Bewusstsein zu erlangen, ist es erst einmal sinnvoll sich Literatur dazu zu holen um in diese Thematik tiefer einzutauchen und in Übungen diese Kraft selbst zu spüren und zu erfahren. Die persönliche Erfahrung ist somit die stärkste Ebene, wo man das Bewusstsein erfahren kann.

Ein verwirrender Begriff, den man mit Bewusstsein nicht in Verbindung bringen kann ist das Wort bewusstlos im medizinischen Sinne. Wenn man bewusstlos ist, hat man trotzdem Bewusstsein, man kann nur eben den Körper nicht bewegen und auch keine Antworten geben. Wenn das Bewusstsein jedoch wirklich weg ist im Sinne der Achtsamkeit, dann ist der Körper tot. Das Bewusstsein trennt sich vom Körper und der Körper hat kein Bewusstsein mehr in den Knochen, in den Körperzellen und dann bewegt er sich natürlich auch nicht mehr.

Bernd Kolb,  WISDOM WAY OF LIFE
Bernd Kolb, WISDOM WAY OF LIFE

Diese Beobachtung ist natürlich uralt, alle Menschen, die sich mit dem Bereich Nahtoterfahrung auseinandergesetzt haben, berichten darüber, dass sie ihren Körper von außen sehen. Das ist für uns natürlich schwer vorstellbar, denn wir sind es gewohnt, dass das Sehen an die Augen gebunden ist. Tatsächlich sieht man aber mit dem Bewusstsein. Wenn ein junger Mann etwa mit dem Motorrad einen Unfall hat, kann es sein, dass sich das Bewusstsein vom Körper löst und er beobachtet von oben diese Szene des Unfalls. Er möchte etwas sagen aber es geht nicht. Bewusstseinsmäßig hätte er kein Problem damit aber ein Bewusstsein ohne Körper kann auch nicht sprechen, weil der Mund nicht zur Verfügung steht. Dann gibt es viele Menschen, die sagen, dass diese Nahtoterlebnisse alle gelogen sind und man findet viele Gründe was denn alles die Ursache dafür sein könnte und das halte ich für einen großen Fehler, denn es gibt ein ganze Menge Literatur darüber und eine Unzahl von Berichten von Menschen, die alle darin übereinstimmen, dass sie sagen, dass das Sehen nicht von den Augen abhänge. Das Bewusstsein sieht und es kann durch die Augen sehen, wenn man den Körper hat oder eben auch wenn man den Körper verlassen hat.

Wenn wir erkannt haben, dass wir Bewusstsein sind, dann kann auch dieser ewige Kampf aufhören, dass man nicht genug ist, dass man noch irgendetwas erreichen muss, dass man noch irgendetwas hinzufügen muss um endlich irgendjemand zu sein. Die gute Nachricht ist: Das ist nicht notwendig, denn jeder der 7,8 Milliarden Menschen auf der Welt haben schon ein völlig wunderbares Bewusstsein, wo man nichts dazusagen und auch nichts davon wegnehmen kann. Es ist gut wie es ist. Sie können sich ein Boot, ein Flugzeug kaufen, ihr Bewusstsein wird sich nicht verändern. Sie können noch eine Sprache lernen und das Bewusstsein wird dann nicht größer oder heller, das einzige was man tun kann ist, und das betonen die verschiedenen Weisheitslehrer auf der Welt immer wieder, es zur Blüte zu bringen, indem man es durch die Worte, durch die Gedanken und durch die Gefühle durchfließen lässt.

Ein Lehrer, den man hier nennen kann ist Eckhard Tolle (alle kennen Goethe und Schiller aber Tolle spielt auch in dieser Liga) und er schreibt über Bewusstsein folgendes:

"Um dem Elend, dass die Menschen seit Tausenden von Jahren quält ein Ende zu bereiten musst du bei dir selbst anfangen und in jedem Augenblick die Verantwortung für deinen inneren Zustand übernehmen........Sei wachsam und achte sowohl auf deine Gedanken als auch auf deine Emotionen.......Unser Bewusstsein erschafft unsere Welt, und solange sich keine Veränderung auf dieser inneren Ebene vollzieht, wird alles Handeln nichts Neues bewirken."

Das heißt die Probleme sind nicht "da draußen" zu suchen, nicht bei deinen Nachbarn, deinem Ex-Freund, beim Lehrer oder beim Chef sondern du musst bei dir anfangen. Das heißt sich selbst beobachten, seine eigenen Gefühle, Handlungen und Worte. Das heißt wir sind das Bewusstsein und das Bewusstsein beobachtet die Gedanken und die Emotionen. Emotionen tauchen auf und vergehen wieder aber das Bewusstsein ist ewig, es taucht nicht auf und vergeht wieder. Wenn man sich ein Bein bricht ist das Bewusstsein nicht gebrochen oder wenn eine Beziehung in die Brüche geht, dann können die Gedanken und die Gefühle sehr aufgewühlt werden aber das Bewusstsein bleibt davon unberührt. Man kann es sich wie ein helles Licht vorstellen, das unbeeindruckt bleibt. Es ist ein völlig sicherer Ort, in den man sich auch mental zurückziehen kann, auch wenn der Körper verletzt ist oder meine Gefühle aufgewühlt und meine Gedanken verwirrt sind. Wenn man sich einen Wasserfall vorstellt und sich hinter die Nische des Wasserfalls zurückzieht und man erkennt, dass es einerseits Gedanken und Emotionen gibt und das andauernd und diese Gedanken kann man beobachten aus der Ebene des Bewusstseins. Das Bewusstsein kann sich erst entfalten, wenn der Mensch beginnt eine Innenschau zu machen. Bewusstsein ist also kein so abstrakter Gedanke, wie wir vielleicht meinen, denn wir erfahren es in jeder Sekunde. Ist man sich dieser Sache wirklich bewusst, hat man viele Möglichkeit Veränderungen einzuleiten, wie etwa seine Ängste reduzieren und sich seiner Potentiale gewahr zu werden.

Das Bewusstsein ist beim Starken nicht stärker als beim Schwachen oder beim Klugen nicht stärker als beim Dummen und bei einer schönen Person nicht stärker als bei einer Person, die sich selber nicht als schön sieht. Nein, das Bewusstsein ist überall das gleiche und jeder ist Bewusstsein, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht.

 

Quelle: Eckhard Tolle: Eine neue Erde. Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung (Goldmann 2005) S. 126 und 300)

 
 
 

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